Dit wächst jut hier, wa?

Allmendegarten auf dem Tempelhofer Feld: der lebendigste Garten Deutschlands

Gastbeitrag von Martin Rasper

Der Berliner an sich, so geht das alte Klischee, ist eher gemütlich und lässt die Dinge laufen, gerne auch mal an sich vorbei. Andererseits gibt es in Berlin so viele echte Berliner wie es in München echte Münchner gibt, also eher wenige. Berlin, so geht das modernere Klischee, ist Multikulti, Anarchie, Widerstand, ist wildes, ungeplantes Wachstum. Insofern gibt es im Moment vielleicht kein typischeres Stück Berlin als den Allmendegarten auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Als Zwischennutzung bis 2016 darf das Allmende-Kontor eine 5000 Quadratmeter große Fläche für einen Nachbarschaftsgarten nutzen. Und die Leute aus dem Kiez nehmen das Angebot begeistert an.

Gegärtnert wird in Hochbeeten, die auf zum Teil abenteuerliche Weise aus Holzresten zusammengezimmert sind; der unmittelbare Boden ist wegen der jahrzehntelangen Vergangenheit als Flughafen zu heikel. Viele, die hier zugange sind, hatten vorher keine Gartenerfahrung; sie legen einfach los, mit viel Enthusiasmus und Fantasie. Trotzdem gibt es auch professionelle Unterstützung: Im Frühjahr hat das Allmende-Kontor Kurse zum Bau der Hochbeete und zu anderen Grundlagen angeboten; auch gibt es einige Vermehrungs-Schaubeete, in denen die Radieschensorte Parat und die Salatsorte Goldforelle gezogen werden. Hier kann jeder sehen, wie groß eine Radieschenpflanze werden kann und wie es aussieht, wenn Salat blüht – erste Schritte auf dem Verständnis zu den politisch wichtigen Fragen, wer unsere Saatgut kontrolliert und wo die ganzen alten Sorten geblieben sind.

Eine ausführlichere Version des Berichts mit mehr Fotos findet Ihr auf magda.de, dem Magazin der Autoren.

Fotos: Martin Rasper

allmende-kontor.de
urbanacker.net
ueber-lebenskunst.org und ÜBER LEBENSKUNST Natur
magda.de und Martin Rasper @ MAGDA